Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

Webnews



http://myblog.de/kolumnist

Gratis bloggen bei
myblog.de





Code eingeben

Sie werden noch an mich denken – Code eingeben!
Hier soll ja auch von Land und Leuten um uns herum die Rede sein. Über das Land habe ich schon oft gesprochen. Folglich heute: Leute. Ein Witz über Mecklenburger geht so: Fahren zwei Mecklenburger über Land. Nach einer Weile sagt der eine, der Weizen steht gut. Eine Stunde später sagt der andere, die Gerste auch. Fertig. Das kann wohltuend sein im allgemeinen Gesabbel. Und doch fragt man sich ab und zu, ob ein bisschen mehr Text vorher nicht lange Nachfragen hinterher sparen könnte. Mein jüngstes Erlebnis dazu ist wenige Tage alt: Mein Auto enthält mehr Elektronik, als ein einzelner Kolumnist beherrschen kann. Ein couragiert-unüberlegter Griff in die Weichteilzone des Sicherungskastens besorgte deshalb kürzlich, dass das Radio keinen Mucks mehr tat. Obwohl französischer Herkunft, verlangte es nur mecklenburgisch-stoisch und gleichsam ohne den Blick zu heben: „Code eingeben.“ Ich hatte gewisse Vorstellungen, was das bedeuten konnte, kannte aber weder den Code noch die Modalitäten des Eingebens, so dass ich alsbald die Werkstatt anrief und mitteilte, dass mein Radio, statt Musik zu spielen nach dem Einschalten stets verlangte, ich möge den Code eingeben. „Was soll ich tun?“ Der Mann am anderen Ende sagte zwei Worte. Er sagte „Kot eingeben!“ Ich missdeutete das kurz als orstübliche Entsprechung eines abwiegelnden „Sch... drauf!“, besann mich schnell, dass er gewiss „Code eingeben“ gemeint hatte, war damit aber weniger geholfen als platt. In die kurze lähmende Plattheit hinein spürte ich, dass er sich einiges darauf zugute hielt, mit wie wenig Worten er dem Kunden wie viel wertvolle Hilfe hatte zuteil werden lassen. Ach ja? Erster Gedanke: Sehr witzig. Zweiter Gedanke: Aber schon auch ein bisschen frech. Drittens: Hast eigentlich Pech, Junge, so viel Witz mit so wenig Aufwand, und nun musst du allein lachen, weil keiner zugehört hat. Ich musste entscheiden, ob humorvoll („‘kay super, und weiter?“), ungehalten („Schimpf! Können Sie noch mehr Wörter als ein stummes Radio?“) oder beleidigt zu reagieren war: Und ganz wichtig: Meine Verdutztheit hatte er nun lange genug genossen, es musste schnell gehen.
Was soll ich sagen? Ich bin gerne hier, ich mag die Menschen großenteils, wir sind eben keine südlichen Silbenschinder, die reden müssen, wo es längst nichts mehr zu sagen gibt. Ich gebe aber auch zu, dass dies Momente sind, in denen ich überlege, ob es nicht in einem Landstrich, der sich von Touristen und dem Geld auswärtiger Investoren nähren will, angebracht sein könnte, manche Eigenschaften daraufhin zu überprüfen, wie sei bei nicht vorgewarnten Gegenüber ankommen mögen. Mein Vorhaben, die humorvolle Antwort zu wählen, konnte ich indes nicht mehr umsetzen. Ehe ich anhob, erklärte mir der freundliche Mecklenburger mit einem Mal, wie der Code lautete und wie einzugeben war. Indem ich geschwiegen und mecklenburgische Wortkargheit bis zum Äußersten durchgehalten hatte, hatte ich gleichsam den Code eingegeben, den es brauchte, um ihn so zu verwirren, dass er zu sprechen begann...
29.5.07 10:04
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung