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Alles echt!

Sie werden noch an mich denken – Alles echt!
Unser Land, Mecklenburg-Vorpommern, ist zu schön, als dass man seine Reize an dieser Stelle lange unerwähnt lassen könnte. Letzten Spätsommer habe ich hier gegreint, weil es mir die Saison über nicht gelungen war, ein gutes Rapsfoto zu machen. Mit Raps liege ich seither über Kreuz, dies Jahr versuche ich etwas anderes.
Dazu die Frage: Was versöhnt uns mit dem Anblick einer augenscheinlich überschminkten Frau? Mit ihren zu dichten Brauen, den zu langen Wimpern, dem zu sinnlichen Lippenschwung? Was nimmt uns dennoch sofort und dauerhaft für sie ein? Doch nur eine Überraschung beim nahen Hinsehen, die Feststellung: die Brauen, die Wimpern, die Lippen sind – echt! Geht man allein vom Erscheinungsbild von Ferne aus, so hat das Rapsfeld einen nahen Verwandten. Es ist die Löwenzahnwiese. Natürlich unterscheiden sich beide. Löwenzahn ist niedriger und steht, sieht man näher hin, weit weniger dicht. Mir geht es aber nur um den Eindruck bei schräger Draufsicht und von Weitem: Felder von Gold! Beide. Indessen noch farbintensiver sogar ist der Löwenzahn, straßenschildgelb, fast eidottergelb, weniger grünlich gelb, vielmehr von in seiner Aufdringlichkeit aufreizendem Orange-Gelb. Wie geschminkt eben, übertrieben, die Möglichkeiten der Natur überzeichnend. Jetzt aber treten wir nah hinzu, ganz, ganz nah und finden den Anblick doch über die Maßen reizvoll, denn wir stellen auch bei pingeliger Prüfung mit Anfassen aus nächster Nähe fest: alles echt!
Erstmals nach Jahren, ja, seit der Kindheit, hielt ich dieser Tage, meine Meute im Schlepptau, wieder an einer Löwenzahnwiese an. Ich verhängte ein Schweigegebot über die Staunenden, das ich karg begründete: „Papa will sich in Ruhe die Blumen ansehen!“ Alle setzen sich an die Böschung und sahen über das gleißende Gold wie über einen See. Eine sonnige und freundliche Farbe füllte das ganze Gesichtsfeld aus. Nur der Natur mögliche Mengen goldgelber Münzen waren hier auf ihre staksigen Stiele gesteckt worden und reckten sich über zackigem Hasenfutterblattwerk der Sonne und mir und meinen Sonnen entgegen. Es riecht süßlich. Das Körperinnere empfindet ein Angefülltwerden mit Wärme. Wer auf ein Löwenzahnfeld sieht, wer in das Gelbe tauchend die fast fussligen Blüten einzeln betrachtet wie die Kreise, die ein ins Wasser eintauchender Tropfen aufwellt, dem wird so schnell nicht kalt!
Nach einer Weile gab ich das Zeichen zur Weiterfahrt. Die Nachwirkung dieser spontanen Familien-Meditation ohne spirituellen Überbau verblüffte mich. Einen Moment lang schwiegen noch alle im Auto. Dann fragte meine Große unter ihrem MP3-Kopfhörer hervor: Wer musste denn jetzt eigentlich pullern - oder warum haben wir angehalten...? (Madame werden sich noch nach diesen Szenen zurücksehnen – und eines Tages dann ihrer arglosen Stadtfamilie an einer Löwenzahnwiese anzuhalten verordnen...!)
29.5.07 09:45
 


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