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Neuseeland

Naturnachlese Neuseelands Nordinsel

Neuseeland in den Sommenferien?
Ein eingehenderer Blick auf den Globus lässt es ahnen: In Relation zu Deutschland steht in Neuseeland die Welt Kopf, Tages- wie auch Jahreszeiten sind verkehrt, im selben Moment, in dem die Lieben hier einen lauen Sommerabend verbringen, erwacht man dort in einen womöglich frischen Wintermorgen hinein. Hat es dennoch Sinn, die hiesigen Sommerferien für eine Reise nach Neuseeland zu nutzen? Wir meinen: unbedingt ja!
Drei Hauptgründe: Für eine erste Reise nach Neuseeland sollten, wenn irgend möglich, nicht weniger als vier Wochen zur Verfügung stehen, die Reize des Landes sind ganz überwiegend auch im dortigen Winter erfahrbar, und Quartiere und Attraktionen können spontan aufgesucht werden, ohne dass Überfüllung droht. Dazu kommt: die Nordinsel hat den aufs Klima gemünzten Beinamen "Die Insel, die keinen Winter kennt", der unseren Praxistest voll bestanden hat, und wenn man die Südinsel danach bereist, ist man auf die Gegebenheiten ausreichend eingestimmt, um auch sie zu bewältigen…

Die Nordinsel

Immerhin 23 Stunden Flug (netto, also exclusive Aufenthalte beim Umsteigen etc.) sind es bis Auckland, Neuseeland, genau genommen: auf der Nordinsel Neuseelands, denn es gibt die Nord- und die Südinsel, sowie – jetzt ganz genau genommen – auch noch das kleine Stewart Island als "großen Zeh".

Wir nehmen unser Campingmobil in Empfang, was einige Schwierigkeiten bereitet, weil der Vermittlungsfirma einen Dreiflachflop stand, indem sie das falsche Modell mit dem falschen Servicepaket für das falsche Datum zu reservieren schaffte (vgl. Serviceteil), aber kurz vor der Dämmerung, die einen rapiden Temperaturabfall von ca. 15°C auf die Hälfte mit sich bringt, und von der wir übergangslos erfahren, dass sie hier jetzt – Mitte Juli, tiefer Neuseeländischer Winter – schon gegen 17.30 Uhr deutlich spürbar wird, geht es los!

Wie nähert man sich der Nordinsel? Ratsam ist ein Vorgehen entsprechend dem Verlauf der Straßen (die auf der Nordinsel in der Regel, auf der Südinsel generell gut ausgebaut sind) und mit Hilfe eines, besser: mehrerer, Reiseführer. Ein Überblick über die Highlights muss wohl mindestens folgende Stichworte enthalten (die Reihenfolge ist keine Gewichtung!):
Großartige Strände, das Cap Reinga, landschaftliche Schönheit, die „Schnee-Vulkane“, Maori-Kultur, die Städte Auckland, Wellington, aber auch Napier und New Plymouth, Rotorua und seine hydrothermische Aktivität, einige Tiere und Pflanzen sowie das Klima. Und wer das so noch nicht recht überzeugend findet: spätestens die Kombination, die macht's!

Großartige Strände:
Wir wählen unsere Route von Auckland zunächst nordwärts. Schon bei Orewa finden wir uns in einer milden und unbedingt einen ersten Aufenthalt lohnenden Bucht wieder: Willkommen am Pazifik! Der weite Sandstrand fällt recht flach ab, so dass Ebbe und Flut für ständige Bewegung des Wassers sorgen, die ersten von am Ende vielen, vielen Muscheln finden ihren Weg in die Türablagen des Autos…
Die beiden Hauptinseln Neuseelands umfassen Flächen von 115.000 bzw. 150.000 km² (Bundesrepublik Deutschland: 260.000 km²) und sind jeweils vollständig vom Meer umschlossen. Das führt zu rund 8.500 km teils zerklüfteter Küste, und wir haben keinen Abschnitt gefunden, der uns enttäuscht hätte. Als besonders reizvolle Abschnitte auf der Nordinsel hervorgehoben seien dagegen die Ninety-Mile-Beach (die tatsächlich nur rund 90 km lang ist, dafür aber durchgängig breiter feiner Sandstrand!!) im Nordwesten, der Bereich um Paihia im Nordosten, die Ostküste um das East Cape herum, der Bereich um Tauranga bzw. Papamoa-Beach im Osten und Foxton nordwestlich von Wellington, die Liste ist aber, wie angedeutet, mit Sicherheit nicht vollständig. Am Papamoa-Beach finden wir handtellergroße schwarze Muscheln; leider riechen sie so sehr nach Fisch, dass wir fürchten, Möwenscharen würden alsbald unser Campmobil wie einen Kutter umschwärmen, und sie lieber wenige Tage später am Lake Taupo - NZLs ebenfalls besuchenswertem größtem Binnensee (620 km²; Müritz: 115 km², Bodensee: 570 km²) im Herzen der Nordinsel - der Natur zurück geben; möge Muschelwanderungsforscher über lange Zeit die Frage beschäftigen, wie es zum Vorkommen dieser absolut pazifiktypischen Muschelart an einem Süßwasserbinnensee wie dem Lake Taupo kommen konnte! Um aber auf die Strände zurückzukommen: für einen fotointensiven Urlaubssonnenauf- oder -untergang ist Raum am kleinsten Uferabschnitt. Und sehr häufig werden neben einem Autos mit Einheimischen stehen, die das Auto nicht verlassen und kaum das Fenster öffnen, die aber eine Pause oder den Feierabend nutzen, um im vertrauten Umfeld des eigenen Autos am Meer Ketchup mit irgendetwas darunter zu sich zu nehmen, nein, das war jetzt unfair, meist handelt es sich um "Fish 'n chips", Fisch mit Pommes, was angesichts der zahlreichen einheimischen Fischarten aber jeden Tag ein anderes Essen sein kann…
Unter dem Titel "Großartige Strände" schließlich noch zu rühmen sind die riesigen Dünen im äußersten Nordwesten (im Bereich der Ninety-Mile-Beach) sowie weiter südlich bei Opononi.
Badeaktivitäten oder "Sandboarding" (auf einem speziellen Brett unter Nutzung allein von Gewicht, Geschick und sandigem Geläuf dühnenabwärts gleiten) empfehlen sich zu dieser Jahreszeit sicher weniger, aber die schier unvorstellbar weiten Strandflächen, die Dünung, die Brandung, die Gischt und die Muscheln hat man bei ausgedehnten Spaziergänge jetzt nicht selten ganz für sich allein!

Cap Reinga
Auf unserer Route nordwärts bis zum Äußersten gehend, erreichen wir – zuletzt über eine gewundene Schotterpiste - einen der Punkte des obschon ja recht kleinen Neuseeland, die auf jeder Weltkarte unproblematisch zu finden sind: das Cap Reinga, die einen Kiwisprung vom schwerer zugänglichen eigentlichen North Cape entfernte inoffizielle Nordspitze des Landes, wo ein kleiner Leuchtturm die Stelle markiert, an der Pazifik und Tasmanische See aufeinander treffen.
Wer in Auckland landet, das wie ein eng gezogener Strick einen Nordzipfel vom Rest der Nordinsel abtrennt, mag überlegen ob der Ausflug "ganz nach oben" lohnt, da man jeden gefahrenen Kilometer auch zurückfahren muss. Hier findet sich jedoch soviel landschaftliche Schönheit und Maori-Kultur, dass ein Aussparen dieses Landesteils ein echter Fehler wäre.

Landschaftliche Schönheit
Wir müssen jetzt darauf zu sprechen kommen, dass meine Frau, wann immer sie sich in den ersten Tagen mit dem Reiseführer allein wähnte, die Seite 95 aufgeschlagen hatte. Das ist die Seite, auf der zwischen viel Hintergrundwissen die Drehorte zum Dreifach-Film "Der Herr der Ringe" aufgelistet sind. Die meisten der Orte wurden so stark "umgearbeitet", dass sie beim Vergleich Film-Realität kaum zu erkennen sind, und natürlich kann sich auch an Neuseeland freuen, wer die Ring-Saga mit Missachtung gestraft hat. Auch ihn aber wird hier ein landschaftliches Stilmittel erfreuen, das den harmonischen Hobbit-Szenen insbesondere des ersten Teils viel von ihrer Beschaulichkeit und Wärme gab. Die ganze Nordinsel ist in ihrem Inneren mehr oder minder dieses grünknubbelige "Hobbingen": saftig grasgrüne Hügelchen und Hügel, die leicht terrassiert sanft und harmonisch ansteigen und wieder abfallen, die satt und nett und gutmütig wirken. Dieses linde Landschaftsbild dürfte zu den Anblicken gehören, die typisch für Neuseeland und gleichzeitig kaum anderswo auf der Welt zu finden sind. Einen Höhepunkt erreicht es bei Matamata an einer für den Nichtzahlungswilligen nie und nimmer zu findenden Stelle, die man aber gegen nicht unerhebliches Entgelt mit einem kundigen Führer der örtlichen Lord-of-the-Rings-Agentur gern besichtigen kann: Hier liegt – auf von der Landstraße aus nicht einzusehendem Privatgrund - das Herz der Hobbingen-Herrlichkeit, hier liegt das wahre Hobbingen, hier kann der authentische Drehort mit einigen authentischen Ring-Relikten besucht und besichtigt werden, von wo aus Bilbo Beutlin und seine Freunde und Frodos auszogen, die Filmwelt zu erobern.
Dramatischer, weil höher und gewundener als sonst und teilweise steil zum Meer hin abfallend, finden sich – in Verbindung mit tollen Küstenabschnitten - die Hobbit-Knubbel auf der Coromandel-Halbinsel, die zu besuchen man wegen ihrer dezentralen Lage bei Zeitknappheit auch zögern mag, die wegzulassen aber ebenfalls bedeutet, sich eines großen Reizes der Nordinsel zu berauben!
Landschaftlich ebenfalls sehr lohnend ist der Highway Nr. 3 um Wanganui im Südwesten. "Hobbingen" allenthalben auch hier, dazu aber der Blick von der Anhöhe, auf der die Straße verläuft, aufs Meer, sowie – wenn's mit der klaren Sicht klappt – gleichzeitig auf den Mt. Taranaki nordwestlich, die Tongariro-Berge nordöstlich und die Tararua-Range im Süden, die alle mit ewigem Schnee gesegnet sind.

Die „Schnee-Vulkane“
Damit sind wir bei den "Schnee-Vulkanen" des Landes. Zu allererst zu nennen ist hier der Mt. Taranaki (auch Mt. Egmont), für den die Insel eigens im Westen ihre signifikante runde Nase ins Meer hinein ausgebildet hat. Der Berg ist 2.518 m hoch und in seiner halb vom Meer umfluteten Lage mit der schulbuchreifen Vulkankegelform (der letzte Ausbruch liegt beruhigende 300 Jahre zurück) mit meist schneebedeckter Spitze und mit seiner Alleinherrscherlage ein absolutes Muss. Leider ist er nicht immer zu sehen. Nicht selten kann man an einer Wolkenansammlung am ansonsten fast blauen Himmel erkennen, wo er zu sehen wäre – wenn er denn aber da ist, weil es klar ist, sieht man ihn über deutlich mehr als hundert Kilometer.
Ebenfalls sehenswert ist in diesem Zusammenhang das Triumvirat Mt. Tongariro (1.968 m). Mt. Ngauruhoe (2.290 m) und Mt. Ruapehu (2.796 m) im Tongariro-Nationalpark (Zugspitze: 2.962 m). Letzterer macht aus seiner Vulkaneigenschaft keinen Hehl, er hat zuletzt 1995 und 1996 mit reichlich Staub- und Ascheausstoß auf sie aufmerksam gemacht. Seine Brusthöhe ist über eine gut ausgebaute Straße problemlos erreichbar, und wir finden ihn bei reichlicher Wintersportaktivität vor – wer's nicht lassen kann, spontan einen Sommerferientag skifahrend an einem Neuseeländischen Vulkan zu verbringen: Ausrüstungen können komplett gemietet werden.

Maori-Kultur
Ob die Maori die Ureinwohner Neuseelands sind, mag entscheiden, wer will (s. Kasten auf dieser Seite). Jedenfalls haben sie Kultur und Leben der Inseln über lange Zeit bestimmt und geprägt. Nach stürmischen Zeiten der Auseinandersetzung mit den nachgefolgten Europäern wird heute ein Nebeneinander in relativer Normalität geübt. Dies bedeutet auch, dass die Maori-Kultur vielerorts durch Ausstellungen, Schnitzerwerkstätten und Tanzveranstaltungen aktuell ist. Die Ausstellung bei Paihia in der Bay of Islands, die Maori-Abteilungen in den Museen in Auckland und Wellington, insbesondere aber zahlreiche Maoriattraktionen in und um Rotorua sind hier besonders hervorzuheben: In Auckland vermeiden tägliche Tanzvorführungen, dass das Museumsumfeld zu dem Trugschluss verleitet, die Maorikultur sei Vergangenheit; in Rotorua mag die gleiche Wirkung erzielt werden durch den Besuch einer Schnitzwerkstatt und/oder einer sehr lohnenden Tanzvorführung, die beide im Eintrittspreis des örtlichen Geysirfeldes inbegriffen sind, ferner wird gerade in Rotorua vielfach das traditionelle Hangi-Essen (im Steinofen nach Maori-Art schonend gegartes Gemüse und Fisch) angeboten.

Hydrothermische Aktivität
Hydrothermische Aktivität bedeutet für den Benutzer, dass Wasser heiß statt wie gewohnt kalt aus der Erde kommt. Dies kann in Form größerer oder kleinerer Geysire, blubbernder Schlammpools, brodelnder, stinkender Schwefelfontänen, stiller, warmer Wasserbecken oder scheinbar unmotiviert aus dem Gebüsch aufsteigender Dampfsäulen geschehen, die ihre Ursache in in dortigen Tiefen wabernder Wärme haben. Dies alles und noch viel mehr, wie etwa in zahlreichen Gelb- und Rotschattierungen mineralisch verfärbtes Gestein, gibt es besonders eindrucksvoll in Rotorua sowie südlich davon in Waiotapu: darf man sich nicht entgehen lassen, es sei denn, man wäre ein überzeugter Geysir-Verächter…

Die Städte
Die vier Millionen Einwohner Neuseelands verteilen sich zu gut drei Viertel auf die Nord-, im Übrigen auf die Südinsel, Stewart Island ist so gut wie unbewohnt (knapp 700 Menschen). Von den mithin gut drei Millionen Nordinselbewohnern wiederum lebt ein Drittel in Auckland, der langjährigen und bis heute heimlichen Hauptstadt des Landes, auch wenn der Regierungssitz 1865 wegen der zentraleren Lage nach Wellington verlegt wurde.
Auckland ist mit seiner über etliche Hügel (die selbst der Innenstadt ein drolliges Ambiente des vielfachen Auf und Ab verleihen) verteilten Lage am Hafen für neuseeländische Verhältnisse weltläufig und in den "besseren" Vierteln am Yachthafen und in Wohngebieten wie Parnell elegant und reich. Ein Besuch der Stadt lohnt sich schon allein wegen ihrer ungewöhnlichen Lage, ihrer zahlreichen Sehenswürdigkeiten, des zentralen Museums und der vielen Möglichkeiten, lecker und bezahlbar Fisch zu essen, auch für denjenigen, der Neuseeland in erster Linie der Landschaft wegen bereist!
Ähnliches gilt in etwas anderer Weise für Wellington. Die Hauptstadt Neuseelands, hat rund 335.000 Einwohner und liegt in einer optimal vor den Launen der Cook Strait, der zwischen der Nord- und der Südinsel gelegenen Meerenge, geschützten Bucht am Südzipfel der Nordinsel. Weil Höhenzüge die Bucht umschließen, wird es im Zentrum Wellingtons im Winter schnell schattig, ein Effekt, der dadurch begünstigt wird, dass die relativ kleine Fläche zwischen dem Gebirgsrücken und dem Wasser seit den fünfziger Jahren mit einer etwas zwanghaft-weltstädtisch wirkenden Hochhäuser-Ansammlung vollgestopft wurde, die den Betrachter zu dem (sicher beabsichtigten) Schluss verleiten könnte, die Stadt sei wesentlich einwohnerstärker. Einen Besuch lohnt das runde Regierungsgebäude ("Beehive" – Bienenkorb – was auf die Architektur des Gebäudes und nicht auf den Fleiß seiner Nutzer gemünzt sei, wie die Neuseeländer versichern), vor allem aber die ungemein gewinnend gestaltete Partie am Hafen entlang bis zum architektonisch und ausstellungsbezogen sagenhaften – und zudem kostenfreien und mithin bei Bedarf problemlos "in Häppchen" zu besuchenden - Te-Papa-Museum, das im Grunde schon allein einen halben Wellington-Tag, beispielsweise vor der Fährfahrt auf die Südinsel, unverzichtbar macht.
Weiterhin lohnt die Stadt Napier (52.000 Einw.) im Osten wegen ihres fast geschlossen im Art Déco-Stil gehaltenen Innenstadtbildes einen Besuch. Art Déco, wer es nicht gleich parat hat, das sind die wilden Dreißiger. Denken Sie an die Frauen auf bestimmten Abbildungen dieser Zeit: keckes Hütchen, figurbetontes Kleid, kokette Zigarette, und gern lehnen sie an einem Auto mit ausladender Form und auffälliger Kühlerfigur. Wenn Sie das Bild weiter spinnen, taucht vielleicht im Hintergrund noch ein Gebäude auf: grundsätzlich sachliche Form, dann aber verspielte Details, Ornamente, vielleicht bunte Glasfenster und die Fassaden in Pastelltönen. Haben Sie’s? Okay, das ist Art Déco, ein Stil, der so richtig keiner ist, und getragen sein soll von Kraft und Nutzen des Maschinenzeitalters, Überwindung alter Konventionen und Emanzipation der Frau. Einzelne Häuser finden wir auch in Deutschland, Napier aber ist voll davon, das entführt realistischer in die Vergangenheit als jedes Freilichtmuseum, das macht einfach Spaß!
Und schließlich sei auf New Plymouth (70.000 Einw.) im Westen im Einzugsbereich des Mt. Taranaki aufmerksam gemacht. Hier gibt es neben einer – je nach Laune des Meeres – windzausenden Promenade an der tasmanischen See und der größten Sammlung zeitgenössischer Kunst in Neuseeland wiederum ein architektonisch und ausstellungstechnisch sehenswertes, wiederum für den Besucher kostenfreies Dokumentationszentrum, diesmal zur Taranaki-Region, das zudem tolle Ausblicke über die See – nicht zuletzt vom angeschlossenen Café aus – bietet.

Tiere und Pflanzen
Unser Führer auf den Feldern des Herrn der Ringe brachte es auf den Punkt: "Keine giftigen Spinnen, keine giftigen Schlangen!" Da es zudem keine Bären, Raubkatze o.ä. gibt, weil in Neuseeland im Wesentlichen nur Eidechsen und einige Vogelarten heimisch sind und alles andere eingeführt oder eingeschleppt wurde, ist die Gefahr, in Neuseelands Natur gefährlichem Getier zu begegnen, so gering wie wohl nirgendwo sonst.
Unter den Tieren, die man antrifft, muss neben dem Kiwi das Opossum Erwähnung finden, ein kleiner, brauner, ebenfalls primär nachtaktiver Nager, der in großer Zahl vorkommt und sich rasend schnell vermehrt. Zu sehen bekommt man es öfter, als einem lieb ist – am Straßenrand: das mit den Autos begreifen sie einfach nicht, weshalb sie jede Nacht in großer Zahl überfahren werden - leider so, dass sie sich nie untereinander werden warnen können…
Unter den Pflanzen fallen hauptsächlich die vielen und großen Farne ins Auge. Das Farnblatt ist auch Wappensymbol Neuseelands. Außerdem ist im Norden die Kauri-Fichte, ein prächtiges Nadelgehölz noch häufig anzutreffen. Und schließlich fällt vor allem in Küstennähe häufig ein seltsam strakeliger Baum auf, dessen Namen ich nicht erkunden konnte, den Sie aber unschwer erkennen werden: er mutet an wie ein sympathischer Unfall zwischen Weihnachtsbaum und Yucca-Palme!

Das Klima
Während des deutschen Sommers ist in Neuseeland Winter. Gewiss ist folglich das gesamte Erscheinungsbild der Landschaft in dieser Zeit zumindest herbstlich. Doch die Empfindungen sind es nicht. Die Schatten mögen länger werden, aber nicht die Gesichter, weil man spürt: es wird jetzt nicht ein langer, harter Winter mit Schnee und Frost folgen. Noch immer hängen vereinzelt herbstliche Blätter an den Bäumen, doch andernorts knospen schon Frühblüher, und erste Frühlingsfarben werden sichtbar. Die Zeit dazwischen gibt es, zumindest auf der Nordinsel, kaum. "Die Insel, die keinen Winter kennt" – der Beiname der Nordinsel hat sich also bei unserem Besuch bestätigt. Gerne mal 15° C im Schatten tagsüber, viel Sonne (in deren Schein es weit wärmer ist), der Nachmittagskaffee unter freiem Himmel, ein Klima, in dem auch jetzt Avocados und Kiwis reifen – dieser Winter lässt sich ganz gut auch dann ertragen, wenn man weiß, dass zuhause gerade Sommer ist… Die Nächte können indessen empfindlich kalt werden und auch einmal in Frostnähe geraten, was dem, der mit einem Campmobil-Urlaub liebäugelt, nicht verschwiegen sei. Zudem hatten wir wohl auch etwas Glück, denn wir hatten kaum Regen, obgleich im Winter 15 – 20 Tage im Monat, an denen es zumindest auch (wenngleich nicht den ganzen Tag) regnet, noch als normal gelten können. Wem das widerfährt, der kann aber immer noch hoffen, dass eine andere stehende Wendung zum Wetter in Neuseeland zutrifft: "If you don't like the weather in Neu Zealand, wait for five minutes!" (Wenn Ihnen das Wetter in Neuseeland nicht gefällt, warten Sie fünf Minuten!)…
Im Sommer, so heißt es, werden in Neuseeland selten mehr als 30°C erreicht, ein gemäßigteres Gesamtklima kann also wohl kaum gedacht werden.


Naturnachlese Neuseelands Südinsel

Wie nähert man sich der Südinsel? In dieser Jahreszeit im Sinne der Gewöhnung an die herbstlich-winterlichen Temperaturen am besten vom milderen Norden her und über das Wasser: die rund dreistündige Fährfahrt von Wellington durch die Cook Strait und den Queen-Charlotte-Sound (Fjord) ist allein ein Ereignis, das man möglichst bei Tageslicht erleben und, weil der Weg hier das Ziel ist, der fixen Flugverbindung ab Wellington vorziehen sollte.

Von der Südinsel werden folgende Eindrücke in Erinnerung bleiben:

- 900.000 Menschen auf einer Fläche von etwas mehr als der Hälfte Deutschlands
- Abel-Tasman-Nationalpark
- Weinanbaugebiete
- Kaikoura und Kekerengu: die Ostküste
- das bergige Hinterland
- die – regnerische – Westküste
- die Southern Alps, die Gletscher und das Fjordland
- Phänomene Wanaka, Queenstown und ihre Seen und Skigebiete
- die Wandermöglichkeiten
- die Südküste
- Dunedin und Christchurch

900.000 Menschen auf einer Fläche von mehr als der Hälfte Deutschlands
Die Südinsel erscheint außerhalb der wenigen Städte im Grunde menschenleer. Wenn man auf den richtigen Strecken und insbesondere Wanderwegen unterwegs ist, begegnet einem womöglich stundenlang kein Mensch noch Auto. Es wäre widersinnig, die daraus entstehende Ruhe mit vielen Worten umschreiben zu wollen. Man stelle sich einfach vor, was wäre, wenn sich die Fläche Deutschlands von der See bis zum Main nur 900.000 Menschen teilen müssten.

Abel-Tasman-Nationalpark
Im Nordwestzipfel der neuseeländischen Südinsel befindet sich der nach dem ersten Entdecker des heutigen Neuseeland benannte Abel-Tasman-Nationalpark (AT-NP). Und schon hier gilt, was als Mantra für die gesamte Südinsel gelten kann: Wandern Sie! Natürlich hat man leicht das Bedürfnis, die ganze Südinsel zu "schaffen", möglichst viel an möglichst vielen Orte zu sehen, sich zumindest die leidlich tragfähige Illusion zu verschaffen, einen "Überblick" gewonnen zu haben, so dass die Versuchung groß sein wird, voranzukommen. Und dennoch: insbesondere die Südinsel erspürt nur, wer wandert. Und den besseren und intensiveren Eindruck von der Insel als der, der in erster Linie darauf bedacht ist, möglichst viele unterschiedliche Orte zu sehen, bekommt der, der wenigstens hier und da tut, was einem als "Auf-der-Stelle-Treten" erscheinen mag: der, der gelegentlich zu ausführlichen Spaziergängen aufbricht - der Wanderer! Und der AT-NP ist ein guter Ort, um damit anzufangen! Feingelbsandige Buchten, die - noch verstärkt durch das grünlich-türkis und zugleich vielerorts durchsichtige Wasser - an die Südsee erinnern, Farne, dichte Wälder, Flussläufe und Wasserfälle – alles erreicht man auf gut ausgeschilderten Wanderwegen oder mit dem – bezahlbaren - Wassertaxi, von dem man sich irgendwo zwecks eigenen Erkundens "aussetzen" und an anderer Stelle wieder einsammeln lassen kann.

Weinbaugebiete
Mit dem Wein ist es so eine Sache in Neuseeland. Es gibt vor allem im Bereich der Hawke's Bay bei Napier auf der Nordinsel und im Marlborough-Bereich um Blenheim auf der Südinsel immense Weinanbauflächen, die Sie auf der Landstraße durchfahren, dabei Appetitfäden ziehen und für den nächsten Weinkauf die Labels studieren können. Hier entstehen unterschiedlichste Weine unterschiedlichster Preiskategorien. Leider schmecken aber fast nur die teureren Sorten (ab ca. 17,50 NZD) wirklich gut, so oft, wie wir bei den Versuchen, im günstigeren Segment Glück zu haben, daneben griffen, mögen wir jedenfalls nicht mehr nur an dumme Zufälle glauben.

Kaikoura, Kekerengu und Konsorten: die Ostküste
Kaikoura kennt jeder, der in Neuseeland war. Hier ist die örtliche Whalewhatching-Zentrale. Der Spaß hat seinen Preis, dafür ist man mit aufwändiger Walaufspürtechnik ausgestattet und gegen Misserfolg versichert: kommt es draußen auf dem Meer tatsächlich nicht zum Rendez-Vous zwischen Bootstourist und Meeressäuger, so erhält man 80% des Fahrpreises zurück. Kaikoura, ein Ort von für sich genommen allenfalls unterschiedlicher Attraktivität, liegt zudem derart dramatisch zwischen der malerischen Gebirgskette der Kaikoura-Range und einer herrlichen, weit gezogenen Meeresbucht, dass man seine Route selbst dann hier vorbeiführen sollte, wenn man sich aus Walen wenig macht.

Vor allem aber liegt Kaikoura nur rund vierzig Kilometer unmittelbar den Meeresverlauf nachvollziehender und damit wunderbarer Küstenstraße – auf der zudem aufgrund einiger Seehundkolonien (die ausgeschildert und gut zu sehen sind) für zusätzliche Abwechslung gesorgt ist – vom nordwärts gelegenen Kekerengu entfernt. Kekerengu nun finden Sie in den wenigsten Reiseführern und nur auf recht detaillierten Karten. Es ist ein Geheimtip! Verpassen können Sie es nicht: die ungefähr drei Häuser, aus denen Kekerengu besteht, liegen dort, wo die hier ebenfalls unmittelbar am Meer verlaufende Eisenbahnstrecke von der einen Seite des Highway auf die andere wechselt. Im Grunde ist Kekerengu also wohl ein Bahnübergang, wenn auch der vielleicht schönstgelegene Bahnübergang der Welt! Entscheidend in Kekerengu ist "The Store". The Store, der Laden, ist ein weiträumiges Lokal, in dem auch Antiquitäten gekauft werden können, aber nicht nur das: von der erhöht über dem tosenden Pazifk liegenden Terrasse oder dem ungemein behaglich im Feldstein- und Schmiedeeisen-Ambiente gehaltenen Gastraum lässt sich bei prasselndem Kamin über einer Tasse perfekten Cappuccinos und reichlich hausgemachtem Kuchen auf das hier allzeit gischtende und sich aufwerfende Meer hinabschauen, dass man nie wieder weg will, denn keine Promenade zerschneidet hier den Blick, keine Buhnen zähmen die Brandung. Und wenn inzwischen die Abendbrotszeit gekommen ist, bleibt man einfach noch auf einen Salat mit gebratenem Fisch oder einen frisch zubereiteten Hummer, denn auch der ist hier heimisch und also bezahlbar.
Wo wir aber gerade bei Hummer und der Gegend um Kaikoura sind: Wenige Kilometer nördlich von Kaikoura gibt es den Hummer an der Straße "ab Wohnwagen": Im einfachsten Rahmen erhalten Sie hier Hummer frisch und völlig kultfrei schlicht in Zeitungspapier eingeschlagen. Wenn Sie mögen, schneidet man ihnen den Burschen, auf dem mit dickem Filzstift der Preis direkt auf dem Panzer geschrieben steht, auch gern auf, dann können Sie ihn kalt und sofort genießen. So unverfälscht wird man sein reines Aroma kaum sonst je erleben können. Das Ambiente ist für den Verzehr einer solch edlen Speise aber gewiss nicht jedermanns Sache…

Das bergige Hinterland und die – als regnerisch verschrieene – Westküste
Durch das Hinterland Kaikouras führt eine sehenswerte (im Vergleich zu den südlich sich anschließenden Gebirgsregionen noch als eher "hochhügelig" zu bezeichnende) Strecke an die fast legendäre Westküste. Ihr eilt der Ruf voraus, eine der schönsten Küstenstraßen der Welt bereitzuhalten. Dieses Attribut mag sie mit dem Küstenabschnitt zwischen Kaikoura und Kekerengu im Osten teilen, übertrieben oder falsch ist es dennoch nicht. Dieser Landstrich gilt wiewohl als recht regenintensiv, aber selbst verschleiert offenbart er viel von seinen Reizen, und bei Sonne oder Sonnenuntergang ist er mit seinen rustikalen, felsigen Abschnitten, den feinsandigen Buchten, den Palmen, den Pinguinen und den Pancake Rocks (Kalksteinformationen, die wie gigantische Stapel aufgetürmter Pfannkuchen aussehen), wohl am treffendsten mit sechs Worten zu beschreiben: eine der großartigsten Küstenstrecken der Welt!

Die Southern Alps, ihre Gletscher und das Fjordland
Das südwestliche Viertel der Südinsel gehört den Southern Alps und dem Fjordland, die im Wettstreit miteinander liegen, welche Region die noch schwerer zugängliche ist. Die Southern Alps sind eine – durch den Haast Pass nur kaum spürbar geteilte – Gebirgskette, die sich über hunderte von Kilometern entlang der Küste zieht. Allein rund 20 Riesen von über 3.000 Metern sind hier versammelt, die Könige: der Mount Cook als höchster Berg Neuseelands mit 3.764 m und der Mount … mit … m. Dieses Gebirge weist alle Reize auf, die Alpen eben aufweisen: großartige Panoramen, schneebedeckte Gipfel, das ganze Programm, ergänzt durch den Reiz des nahen Meeres. Hier entsteht ein landschaftliches Miteinander der beiden Welten (Hochgebirge und Meer), das von ganz speziellem Reiz ist. Folgerichtig warten vielerorts Flugzeuge oder Hubschrauber, um Sie zu ganz spontan buchbaren – und jedenfalls nicht überteuerten – Panoramaflügen in die dünnen Lüfte über den Bergketten zu entführen. Zusätzlichen Reiz ziehen die Alpen aus zwei Gletschern, deren erhebliche Bewegungen in den letzten Jahren hier genau dokumentiert sind und nachvollzogen werden können. Nicht zuletzt führen geführte Wanderungen mitten in die Gletscherbereiche hinein. Ein kaltes, aber wohl mit nichts zu vergleichendes Abenteuer!

Wer insoweit an die Schweiz oder Italien denken musste, den wird das Fjordland eher an Norwegen erinnern. Die wenigsten neuseeländischen Fjorde indes sind von der Landseite aus überhaupt zugänglich bzw. über Straßen erreichbar. Üblicherweise enden diese Meeresarme irgendwo seeseitig zu Füßen gewaltiger Berge und können, wenn überhaupt, nur von deren Höhen oder nach mühsamem Abstieg nach deren Überwindung mit Augen und sogar Händen berührt werden. Um so mehr lohnt eine der zahlreich angebotenen Touren zu Milford Sound (Seehunde, Delfine!) oder Doubtful Sound; denn anderenfalls vergibt man sich, wenn man nicht zu Gewaltmärschen neigt, den landschaftlichen Eindruck des Südwestviertels der Insel zwangsläufig fast völlig.

Phänomene Wanaka, Queenstown und ihre Seen und Skigebiete
Neuseeland hält sich auch auf seine Skigebiete einiges zugute. Ihren Siedepunkt erreicht die alpine Stimmung im Bereich des Phänomens Queenstown. Wer es etwas ruhiger mag, orientiert sich weiter in Richtung Wanaka oder lässt sich gleich unmittelbar dort nieder. Queenstown ist ein Phänomen, weil der 4.500-Einwohner-Ort aufgrund seiner Lage an See und Bergen und des Einfallsreichtums seiner Bewohner, was die Bespaßung erholungs- wie auch kick-suchender Touristen jeden Alters betrifft, das ganze Jahr über ein Touristen-Anziehungspunkt und folglich so lebendig ist, dass man ihm in unkontrollierten Momenten glatt die zehnfache Einwohnerzahl zutrauen würde. Das quirlige Leben in der kleinen Bucht am Lake W. ist ansteckend, verpflichtet aber zu nichts, es gibt auch hier ausreichend Gelegenheit, z.B. in Ruhe ein gutes Fischgericht mit Blick auf glitzerndes Wasser zu sich zu nehmen oder die luxuriöse Architektur in der Umgebung und an den Hängen zu begutachten. Beide Orte, Queenstown und Wanaka, liegen in malerischer Landschaft zwischen Bergen und großen Seen; von beiden Orten aus sind verschiedene Ski-Resorts mit dem eigenen Auto oder Zubringerbussen je nach aktueller Schneegrenze relativ problemlos erreichbar.
Goldrausch

Wandern!
Ich habe den Abel-Tasman-Nationalpark angesprochen, sollte die (von aggressiven Minimücken, verharmlosend Sandflies genannt, deren weibliche Vertreter riesige Stiche machen, abgesehen) traumhaft ruhigen Seen um … hier erwähnen, muss auf schöne Wege zu sprechen kommen, die entlang der Straße zum Milford Sound ausgeschildert sind und sollte natürlich darauf hinweisen, dass sich auch in den Alpen Gelegenheiten zu großartigen, vielfach auch mehrtägig angelegten Wanderungen auftun – ich muss es noch einmal zum gesonderten Punkt erheben: die Südinsel Neuseelands ist ein Wanderer-Eldorado. Und als solches sollte man sie nutzen. Überall an der Straße finden sich auf gepflegten grüngelben Schildern Hinweise auf kürzere, längere und sehr lange Wanderwege mit präzisen Strecken- und Zeitangaben, die dann auch gut ausgeschildert sind und ausnahmslos die Auszeit vom Drang lohnen, die Insel in den vorgegebenen zwei oder drei Wochen "schaffen" zu wollen! Wandern!

Die Südküste und die Catlins
In den von uns genutzten Reiseführern fand die Südküste der Südinsel Neuseelands für unseren Geschmack nicht die ihr gebührende Erwähnung. Dieser Abschnitt, von dem man vom hier "Southern Scenic Route" genannten Highway aus einen guten Eindruck erhält, ist allemal das eine oder andere Verweilen wert. Dies gilt in besonderer Weise, wieder einmal, für ein Visitors Center, diesmal jenes von Invercargill, aber auch Bluff Hill, ein durchaus stattlicher "Hügel" im äußersten Inselsüden mit großartigem Rundblick auf vorgelagerte Inselchen und insbesondere Stewart Island, oder einfach der Küstenabschnitt westlich von Riverton mit seinen zahlreichen Stichstraßen ans Meer (so nach Cosy Nook) sind so manches Anhalten wert. Gleiches gilt für die sich im Südosten plötzlich und etwas unerwartet auftürmenden Catlins, ein kleineres Gebiet von Berglein, die aber die Straße zu manchen Verwerfungen zwingt und die an Hobbingen auf der Nordinsel erinnern mag, insgesamt aber etwas höher und schroffer ausfällt. Wunderbare Lichtspiele und – wieder einmal – großartige Momente fast vollkommener Stille sind hier zu erleben.

Dunedin und Christchurch
Schließlich hat auch die menschenarme Südinsel ihre attraktiven Städte. In diesem Fall: das in der Wolle gefärbt schottische Dunedin und das knochenenglische Christchurch.
29.5.07 10:08


Code eingeben

Sie werden noch an mich denken – Code eingeben!
Hier soll ja auch von Land und Leuten um uns herum die Rede sein. Über das Land habe ich schon oft gesprochen. Folglich heute: Leute. Ein Witz über Mecklenburger geht so: Fahren zwei Mecklenburger über Land. Nach einer Weile sagt der eine, der Weizen steht gut. Eine Stunde später sagt der andere, die Gerste auch. Fertig. Das kann wohltuend sein im allgemeinen Gesabbel. Und doch fragt man sich ab und zu, ob ein bisschen mehr Text vorher nicht lange Nachfragen hinterher sparen könnte. Mein jüngstes Erlebnis dazu ist wenige Tage alt: Mein Auto enthält mehr Elektronik, als ein einzelner Kolumnist beherrschen kann. Ein couragiert-unüberlegter Griff in die Weichteilzone des Sicherungskastens besorgte deshalb kürzlich, dass das Radio keinen Mucks mehr tat. Obwohl französischer Herkunft, verlangte es nur mecklenburgisch-stoisch und gleichsam ohne den Blick zu heben: „Code eingeben.“ Ich hatte gewisse Vorstellungen, was das bedeuten konnte, kannte aber weder den Code noch die Modalitäten des Eingebens, so dass ich alsbald die Werkstatt anrief und mitteilte, dass mein Radio, statt Musik zu spielen nach dem Einschalten stets verlangte, ich möge den Code eingeben. „Was soll ich tun?“ Der Mann am anderen Ende sagte zwei Worte. Er sagte „Kot eingeben!“ Ich missdeutete das kurz als orstübliche Entsprechung eines abwiegelnden „Sch... drauf!“, besann mich schnell, dass er gewiss „Code eingeben“ gemeint hatte, war damit aber weniger geholfen als platt. In die kurze lähmende Plattheit hinein spürte ich, dass er sich einiges darauf zugute hielt, mit wie wenig Worten er dem Kunden wie viel wertvolle Hilfe hatte zuteil werden lassen. Ach ja? Erster Gedanke: Sehr witzig. Zweiter Gedanke: Aber schon auch ein bisschen frech. Drittens: Hast eigentlich Pech, Junge, so viel Witz mit so wenig Aufwand, und nun musst du allein lachen, weil keiner zugehört hat. Ich musste entscheiden, ob humorvoll („‘kay super, und weiter?“), ungehalten („Schimpf! Können Sie noch mehr Wörter als ein stummes Radio?“) oder beleidigt zu reagieren war: Und ganz wichtig: Meine Verdutztheit hatte er nun lange genug genossen, es musste schnell gehen.
Was soll ich sagen? Ich bin gerne hier, ich mag die Menschen großenteils, wir sind eben keine südlichen Silbenschinder, die reden müssen, wo es längst nichts mehr zu sagen gibt. Ich gebe aber auch zu, dass dies Momente sind, in denen ich überlege, ob es nicht in einem Landstrich, der sich von Touristen und dem Geld auswärtiger Investoren nähren will, angebracht sein könnte, manche Eigenschaften daraufhin zu überprüfen, wie sei bei nicht vorgewarnten Gegenüber ankommen mögen. Mein Vorhaben, die humorvolle Antwort zu wählen, konnte ich indes nicht mehr umsetzen. Ehe ich anhob, erklärte mir der freundliche Mecklenburger mit einem Mal, wie der Code lautete und wie einzugeben war. Indem ich geschwiegen und mecklenburgische Wortkargheit bis zum Äußersten durchgehalten hatte, hatte ich gleichsam den Code eingegeben, den es brauchte, um ihn so zu verwirren, dass er zu sprechen begann...
29.5.07 10:04


LSD

Sie werden noch an mich denken – LSD
Fraglos gibt es mehr Erziehungstips in unseren Breiten als Kinder. Deshalb muss beherzt sieben, wer hinterherkommen will. Dieser Tage nahm mich ein US-Amerikaner für sich ein, der meint: Männer kommen vom Mars, Frauen kommen von der Venus, und Kinder kommen vom Himmel. So isses! Das ist kein mehliges Verständnisgeseier, das ist knackige Lebensweisheit in rotwangigen Worten. Seine Erziehungsmaximen sind ähnlich griffig. Und es sind nur fünf (nur fünf!). Sie haben hier keinen Raum, aber ich kann verraten, dass fünferlei Auffälligkeiten zur Sprache kommen, die eigentlich alle Kinder aufweisen, und man vielleicht am kürzesten sagen könnte: Bestärkt Eure kids in dem, was und wie sie sind, und seht zu, dass Ihr herausfindet, wo sie ihre Stärken haben. Das mache sie richtig stark. Die restlichen 300 Buchseiten beschäftigen sich mit der Umsetzung dieser einfachen Vorgaben in unserem komplizierten Erziehungsalltag. Dabei lässt der Experte hier und da erkennen, dass seine Ideen nicht nur für Eltern Bedeutung haben, sondern im Grunde für alle Menschen, die gelegentlich Einfluss auf andere nehmen wollen, womit er die Zielgruppe seiner Ausführungen ja geschickt potenziert. Hierzu nun beschäftigen ihn bestimmte Straftatbestände und so intime Fragen wie jene, was wir tun, wenn wir ein bestimmtes Verhalten bei uns selbst bewirken wollen. Warum man gern der Auffassung zuneige, Kinder, die fragen "Was bekomme ich, wenn ich mitspiele?", seien verrohte Erpresser. Denn das sei, wenngleich in dieser Form vielleicht etwas ungehörig formuliert, letztlich doch die Frage, um die wir auch die Herausforderungen unseres eigenen Lebens anordneten: Was habe ich davon, wenn ich mir Quälerei x, Marter y oder Diät z antue? Nur bei Kindern würden wir mit Strafen hantieren. Nicht: Wenn Du ja sagst, darfst du länger raus, sondern: Wenn Du nein sagst, hast du Hausarrest! Das sei unlogisch. Zwischen den Zeilen empfiehlt der Autor etwas, das bei uns zuhause LSD heißt. Anfangs kann das wörtlich gemeint sein, später symbolisch für eine andere Belohnung, einen Anreiz stehen. Wir gönnten uns ja auch ein gutes Essen, wenn das Bewerbungsgespräch ein Erfolg gewesen sei, wohingegen die Gruppe derer, die sich die Hände bügelten, wenn sie zum x-ten Mal einen Schirm hätten stehen lassen, stetig im Schrumpfen begriffen sei. Nun hadern Sie damit, dass hier a) boshaften Westentaschentyrannen das Wort geredet wird und b) zur Mäßigung gleich LSD propagiert wird. Ich will das rasch auflösen: der gute Mann meint, man soll es gar nicht so weit kommen lassen, dass die Kinder einen vor Publikum angehen, was man springen lasse, wenn sie..., man solle im Vorfeld Aufgaben klar umreißen, davon auch keinen Fußbreit abrücken, und im Gegenzug ruhig ein paar Bonbons versprechen. Und ich meine: die heißen bei uns zuhause jetzt LSD. Das steht für: LiebSeiDrops.
29.5.07 09:50


Alles echt!

Sie werden noch an mich denken – Alles echt!
Unser Land, Mecklenburg-Vorpommern, ist zu schön, als dass man seine Reize an dieser Stelle lange unerwähnt lassen könnte. Letzten Spätsommer habe ich hier gegreint, weil es mir die Saison über nicht gelungen war, ein gutes Rapsfoto zu machen. Mit Raps liege ich seither über Kreuz, dies Jahr versuche ich etwas anderes.
Dazu die Frage: Was versöhnt uns mit dem Anblick einer augenscheinlich überschminkten Frau? Mit ihren zu dichten Brauen, den zu langen Wimpern, dem zu sinnlichen Lippenschwung? Was nimmt uns dennoch sofort und dauerhaft für sie ein? Doch nur eine Überraschung beim nahen Hinsehen, die Feststellung: die Brauen, die Wimpern, die Lippen sind – echt! Geht man allein vom Erscheinungsbild von Ferne aus, so hat das Rapsfeld einen nahen Verwandten. Es ist die Löwenzahnwiese. Natürlich unterscheiden sich beide. Löwenzahn ist niedriger und steht, sieht man näher hin, weit weniger dicht. Mir geht es aber nur um den Eindruck bei schräger Draufsicht und von Weitem: Felder von Gold! Beide. Indessen noch farbintensiver sogar ist der Löwenzahn, straßenschildgelb, fast eidottergelb, weniger grünlich gelb, vielmehr von in seiner Aufdringlichkeit aufreizendem Orange-Gelb. Wie geschminkt eben, übertrieben, die Möglichkeiten der Natur überzeichnend. Jetzt aber treten wir nah hinzu, ganz, ganz nah und finden den Anblick doch über die Maßen reizvoll, denn wir stellen auch bei pingeliger Prüfung mit Anfassen aus nächster Nähe fest: alles echt!
Erstmals nach Jahren, ja, seit der Kindheit, hielt ich dieser Tage, meine Meute im Schlepptau, wieder an einer Löwenzahnwiese an. Ich verhängte ein Schweigegebot über die Staunenden, das ich karg begründete: „Papa will sich in Ruhe die Blumen ansehen!“ Alle setzen sich an die Böschung und sahen über das gleißende Gold wie über einen See. Eine sonnige und freundliche Farbe füllte das ganze Gesichtsfeld aus. Nur der Natur mögliche Mengen goldgelber Münzen waren hier auf ihre staksigen Stiele gesteckt worden und reckten sich über zackigem Hasenfutterblattwerk der Sonne und mir und meinen Sonnen entgegen. Es riecht süßlich. Das Körperinnere empfindet ein Angefülltwerden mit Wärme. Wer auf ein Löwenzahnfeld sieht, wer in das Gelbe tauchend die fast fussligen Blüten einzeln betrachtet wie die Kreise, die ein ins Wasser eintauchender Tropfen aufwellt, dem wird so schnell nicht kalt!
Nach einer Weile gab ich das Zeichen zur Weiterfahrt. Die Nachwirkung dieser spontanen Familien-Meditation ohne spirituellen Überbau verblüffte mich. Einen Moment lang schwiegen noch alle im Auto. Dann fragte meine Große unter ihrem MP3-Kopfhörer hervor: Wer musste denn jetzt eigentlich pullern - oder warum haben wir angehalten...? (Madame werden sich noch nach diesen Szenen zurücksehnen – und eines Tages dann ihrer arglosen Stadtfamilie an einer Löwenzahnwiese anzuhalten verordnen...!)
29.5.07 09:45


Spießer und Bremskeile

Sie werden noch an mich denken – Bremskeile
Wieder einmal berichtete mir unsere Älteste dieser Tage von der Fernsehwerbung, in der das Hippietöchterchen eingedenk diverser Herrlichkeiten, die ihr vom Papa „Spießer“ geschimpf-ter Bauspareronkel angesammelt hat, als Berufswunsch anmeldet: Papa, ich möchte Spießer werden. Wie immer lachten wir. Dann Schweigen. Der Blick meiner Großen mäanderte über die Dächer der Stadt. In der Luft lag eine Frage, von der ich hoffte, sie würde nicht gestellt, weil mir eine wohlüberlegte Antwort nicht zu Gebote stand. Aber da war sie schon, die Frage: Papa, was sind Spießer? Schweigen. Diesmal, weil ich auf eine Antwort sann, die korrekt war, die gnädig mit einigen meiner Gewohnheiten und denen bestimmter Bekannter und aller Bausparer dieser Welt verfuhr, die aber auch nicht des angebrachten kritischen Untertons entbehrte. Dann hörte ich mich sagen: Spießer sind Menschen, die das Risiko scheuen, das Ungewisse, das Unbekannte. Sie wissen gern, woran sie sind und was als nächstes passiert. Sie möchten wissen, wer nebenan einzieht und dass da keine Kinder sind, die unkalkulierbar Zukunftsmusik machen oder junge Menschen mit wechselndem Besuch. Sie möchten wissen, wo sie einkaufen und wo ihr Auto abstellen können. Wenn sie nicht verreisen, tun sie das, weil sie die vielen Ausländer andernorts fürchten, zum Beispiel in Spanien die vielen Spanier. Wenn sie verreisen, tun sie das mit ausreichend Bargeld im Brustbeutel, Klappstühlen und allzeit einem leistungsfähigen Bremskeil. Einem Bremskeil? Hier hakte meine Große ein, und ich erzählte meine Lieblingsgeschichte vom Bremskeil: Im Urlaub habe ich jeden Abend ein Auto aus Berlin gesehen, einen neuen Toyota. Er parkte immer an einer Stelle, die leicht abschüssig war, etwa so abschüssig wie der Kabutzenhof in Rostock an seiner steilsten Stelle, nicht wieter schlimm also. Ungefähr drei Meter vor dem Auto stand ein Baum, dann folgte ein Bootsschuppen, dann allerdings, noch einige Meter weiter, öffnete sich ein Seitenarm des gro-ßen, weiten, tiefen Meeres. Nun gibt es viele Möglichkeiten, ein Auto an einem Berg gegen das Wegrollen bzw., noch wichtiger, sich selbst dagegen zu sichern, das Auto am nächsten Morgen in einem Baum, einem Bootsschuppen oder den Weiten des Meeres wiederzufinden. Man kann einen Gang einlegen und Vertrauen in die Technik haben. Oder das Lenkrad einschlagen. Die Handbremse anziehen. Man kann, wenn es wirklich doll bergab geht, einen Bremskeil unterlegen. Hier aber, bei dieser lächerlichen Steigung, wo ich wahrscheinlich gerade mal einen Gang eingelegt hatte, kringelte ich mich jeden Abend vor Lachen, wenn ich sah, wie Opa aus Berlin seinen granitenen Bremskeil vor das Hinterrad wuchtete. Das fand ich spießig. Das Einfache mit Akribie kompliziert zu machen, Gefahr ins Ungefährliche zu dichten, um sich dann vorzugaukeln, man habe die volle Kontrolle, das ist spießig. Also sind Spießer irgendwie Bremskeile, fragte meine Tochter. Ich nickte schweigend.
29.5.07 09:44


Neu hier

Guten Abend auch, freut mich ja, dass gleich so viele gekommen sind...! Ab demnächst gibt es dann hier öfter mal eine Kolumne zu lesen. Ihr werdet noch an mich denken. Hoppla, muss man besser dazusagen, dass das nicht bedrohlich, sondern eher so ironisch-augenzwinkernd gemeint ist? Na, das sehen wir dann gemeinsam, wa? Bis demnächst Kolumnist
25.5.07 20:50





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